Wenn ich an Klassiker denken, lande ich schnell bei Porsche, Opel, Mercedes, Ford, alten Coupés oder seltenen Sondermodellen. Autos, bei denen schon auf dem Parkplatz klar ist: Das ist etwas Besonderes und mehr Kunst als Fahrzeug.
Aber muss ein Klassiker das überhaupt sein?
Ich bin zufällig über einen Bericht gestoßen, den ich klasse fand. Beim britischen „Festival of the Unexceptional“ wurde 2026 ausgerechnet ein VW Polo aus dem Jahr 2001 ausgezeichnet. Kein Exot. Kein sündhaft teures Sammlerstück. Ein einfacher alter Polo mit reichlich Kilometern und einer Geschichte.
Und irgendwie trifft das einen Nerv bei mir.
Denn die Begeisterung für alte Fahrzeuge hat viel mit Gefühl zu tun. Ein bestimmtes Motorgeräusch, der Geruch im Innenraum oder dieses typische Klacken einer Autotür können Erinnerungen hervorholen, von denen man gar nicht wusste, dass sie noch da sind. Ich habe meine Klassiker häufig gewechselt und dementsprechend immer wieder „Mein Fahrzeug“ gefunden. Und das ging immer wieder mit einem bestimmten Gefühl einher, nicht messbar an objektiven Kriterien.
Und dafür braucht es definitiv keinen besonderen Exoten.
Vielleicht war es der alte BMW der Eltern. Der Golf von Oma. Der rostige Polo, mit dem man fahren gelernt hat. Oder ein alter Passat, in dessen Fond man als Kind auf dem Weg in den Urlaub saß. Damals waren diese Autos völlig gewöhnlich. Heute begegnet einem ein gut erhaltener Golf II im Straßenverkehr und plötzlich schaut man ihm hinterher. Früher eher nicht, oder?
Das Auto hat sich nicht verändert – aber wir und unser Blick auf Dinge.
Vielleicht entsteht ein Klassiker deshalb gar nicht durch Seltenheit, Leistung oder Marktwert. Manchmal reicht es, dass ein gewöhnliches Auto lange genug bleibt, während sich um uns herum alles andere verändert. Dann wird aus einem alten Alltagsauto plötzlich ein Stück der eigenen Erinnerung und damit eben doch etwas Besonderes.