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Vibrationen richtig einordnen

Kaum etwas verunsichert Oldtimerbesitzer mehr als plötzlich auftretende Vibrationen. Das Lenkrad beginnt zu zittern, der Schalthebel schwingt mit oder der gesamte Fahrzeugboden vibriert bei einer bestimmten Geschwindigkeit. Schnell entsteht der Verdacht auf einen schwerwiegenden Defekt. Tatsächlich steckt jedoch nicht immer ein großes Problem dahinter. Oft lassen sich die Ursachen systematisch eingrenzen.

Der wichtigste Hinweis ist dabei nicht die Stärke der Vibration, sondern der Moment, in dem sie auftritt. Tritt sie nur beim Bremsen auf? Nur während der Beschleunigung? Oder ausschließlich bei einer bestimmten Geschwindigkeit? Wer diese Unterschiede erkennt, spart bei der Fehlersuche häufig viel Zeit.

Wann treten die Vibrationen auf?

Die erste Frage sollte immer lauten: Unter welchen Bedingungen macht sich das Problem bemerkbar?

Eine Vibration kann auftreten:

  • im Stand bei laufendem Motor,
  • beim Anfahren,
  • nur während der Beschleunigung,
  • beim Ausrollen,
  • beim Bremsen,
  • oder erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit.

Jede dieser Situationen weist auf andere Bauteile hin.

Vibrationen im Stand

Spürt man die Vibration bereits im Leerlauf, liegt die Ursache meist nicht am Fahrwerk oder an den Rädern.

Häufige Ursachen sind:

  • verschlissene Motorlager,
  • unrunder Motorlauf,
  • falsche Leerlaufdrehzahl,
  • Zündaussetzer,
  • schlecht eingestellte Vergaser,
  • Unwucht an Lüfter oder Riemenscheiben.

Motorlager bestehen meist aus einer Kombination aus Metall und Gummi. Mit zunehmendem Alter verliert das Gummi seine Elastizität, wird rissig oder löst sich teilweise vom Metall. Dadurch werden Schwingungen des Motors nicht mehr ausreichend gedämpft und auf die Karosserie übertragen.

Vibrationen ab einer bestimmten Geschwindigkeit

Ein Klassiker: Das Fahrzeug fährt bis etwa 70 km/h völlig unauffällig. Zwischen 80 und 100 km/h beginnt das Lenkrad zu zittern, oberhalb von 110 km/h wird es wieder ruhiger.

Dieses Verhalten spricht häufig für eine Unwucht im Bereich der Räder.

Mögliche Ursachen sind:

  • schlecht ausgewuchtete Räder,
  • verlorene Wuchtgewichte,
  • Höhenschlag oder Seitenschlag der Felge,
  • Standplatten nach langer Standzeit,
  • ungleichmäßig abgefahrene Reifen.

Gerade Oldtimer werden häufig über Monate nicht bewegt. Dabei können sich sogenannte Standplatten bilden. Moderne Radialreifen erholen sich nach einigen Kilometern oft wieder. Bei älteren oder stark gealterten Reifen bleiben die Verformungen dagegen teilweise dauerhaft bestehen.

Auch das Alter eines Reifens spielt eine Rolle. Selbst wenn ausreichend Profil vorhanden ist, verändern sich Gummimischung und Karkasse mit den Jahren. Reifen altern durch Sauerstoff, Ozon und UV-Strahlung. Fachverbände empfehlen deshalb, das Alter eines Reifens bei der Beurteilung immer mit einzubeziehen.

Vibrationen beim Bremsen

Tritt das Zittern ausschließlich beim Bremsen auf, sollte die Bremsanlage genauer untersucht werden.

Mögliche Ursachen:

  • verzogene Bremsscheiben,
  • ungleichmäßige Reibflächen,
  • schwergängige Bremssättel,
  • verschlissene Fahrwerkslager,
  • Spiel in Traggelenken oder Spurstangenköpfen.

Bei Fahrzeugen mit Trommelbremsen können zusätzlich unrund laufende Bremstrommeln oder ungleichmäßig arbeitende Radbremszylinder zu Bremsrubbeln führen.

Vibrationen beim Beschleunigen

Verändert sich das Verhalten nur unter Last, liegt die Ursache häufig im Antriebsstrang.

Dazu gehören beispielsweise:

  • verschlissene Kreuzgelenke der Kardanwelle,
  • beschädigte Hardyscheiben,
  • ausgeschlagene Gelenkwellen,
  • verschlissene Getriebe- oder Motorlager,
  • falsch ausgerichtete Kardanwellen.

Bei Fahrzeugen mit Hinterradantrieb treten solche Vibrationen oft erst beim Beschleunigen auf, weil dann deutlich höhere Kräfte übertragen werden.

Vibrationen im Lenkrad oder im Fahrzeugboden?

Auch der Ort der Vibration liefert wichtige Hinweise.

Ein vibrierendes Lenkrad deutet häufig auf Probleme an Vorderachse, Rädern oder Lenkung hin.

Spürt man die Schwingungen dagegen überwiegend im Sitz oder Fahrzeugboden, sollte die Hinterachse, die Kardanwelle oder die Hinterräder genauer überprüft werden.

Diese einfache Unterscheidung hilft bereits dabei, die Suche auf einen bestimmten Fahrzeugbereich einzugrenzen.

Fahrwerkslager nicht vergessen

Viele Oldtimer besitzen noch ihre originalen Gummilager. Nach Jahrzehnten verlieren diese Bauteile ihre Elastizität.

Silentlager, Querlenkerbuchsen oder Stabilisatorlager können:

  • aushärten,
  • Risse bekommen,
  • sich vom Metall lösen,
  • oder unter Belastung nachgeben.

Dadurch entstehen Bewegungen, die ursprünglich vom Fahrwerk aufgenommen werden sollten. Das Fahrzeug wirkt unruhiger und reagiert empfindlicher auf Fahrbahnunebenheiten.

Nicht jede Vibration ist sofort gefährlich

Gerade ältere Fahrzeuge übertragen konstruktionsbedingt mehr Schwingungen als moderne Automobile.

Großvolumige Vierzylinder, Reihen-Sechszylinder ohne Ausgleichswellen oder Blattfederfahrwerke besitzen einen anderen Charakter als heutige Fahrzeuge. Ein leichtes Pulsieren im Leerlauf oder dezente Schwingungen gehören bei vielen Modellen zum normalen Fahrgefühl.

Anders sieht es aus, wenn Vibrationen plötzlich auftreten oder sich deutlich verstärken. Neue Geräusche oder Veränderungen sollten immer ernst genommen werden, da sie auf fortschreitenden Verschleiß hinweisen können.

So gelingt eine systematische Fehlersuche

Anstatt Bauteile auf Verdacht auszutauschen, empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen:

  • Zeitpunkt der Vibration genau beobachten.
  • Geschwindigkeit notieren.
  • Prüfen, ob sie beim Bremsen, Beschleunigen oder Ausrollen auftritt.
  • Reifen auf Alter, Beschädigungen und Luftdruck kontrollieren.
  • Sichtprüfung von Fahrwerkslagern und Lenkung durchführen.
  • Radlager auf Spiel prüfen.
  • Räder auswuchten lassen.
  • Antriebsstrang und Motorlager kontrollieren.

Mit dieser Vorgehensweise lässt sich die Ursache häufig deutlich schneller finden als durch den vorsorglichen Austausch einzelner Komponenten.