Gewindelehre
Ob bei der Restaurierung, einer Reparatur oder beim Austausch einer einzelnen Schraube – früher oder später steht jeder Oldtimerbesitzer vor derselben Frage: Welches Gewinde hat diese Schraube eigentlich?
Mit bloßem Auge lässt sich das häufig nicht zuverlässig erkennen. Schon wenige Zehntelmillimeter Unterschied bei der Gewindesteigung entscheiden darüber, ob eine Schraube sauber eingeschraubt werden kann oder das Gewinde beschädigt wird. Genau hier kommt die Gewindelehre zum Einsatz.
Sie gehört zu den einfachsten, gleichzeitig aber auch zu den nützlichsten Messwerkzeugen in jeder Werkstatt.
Was ist eine Gewindelehre?
Eine Gewindelehre dient dazu, die Gewindesteigung einer Schraube oder eines Gewindes zu bestimmen. Sie besteht aus mehreren dünnen Messblättern, von denen jedes eine exakt definierte Gewindesteigung besitzt. Durch das Anlegen der einzelnen Blätter lässt sich schnell feststellen, welche Steigung zum vorhandenen Gewinde passt. Solche Gewindeschablonen werden seit Jahrzehnten im Maschinenbau, in Werkstätten und bei der Fertigung eingesetzt, um Gewinde eindeutig zu identifizieren.
Dabei misst die Gewindelehre nicht den Schraubendurchmesser. Sie bestimmt ausschließlich den Abstand zwischen zwei Gewindegängen – also die Gewindesteigung.
Warum ist die Gewindesteigung so wichtig?
Zwei Schrauben können auf den ersten Blick identisch aussehen und trotzdem unterschiedliche Gewinde besitzen.
Ein Beispiel:
Eine M10-Schraube gibt es unter anderem mit:
- Regelgewinde M10 × 1,5
- Feingewinde M10 × 1,25
- Feingewinde M10 × 1,0
Alle drei Schrauben besitzen denselben Außendurchmesser von zehn Millimetern. Nur die Steigung unterscheidet sich.
Wird eine Schraube mit falscher Steigung eingeschraubt, beschädigt sie häufig das Innengewinde. Im schlimmsten Fall muss das Gewinde anschließend nachgeschnitten oder aufwendig repariert werden.
So wird eine Gewindelehre verwendet
Die Anwendung ist unkompliziert.
Zunächst wird ein Messblatt mit einer vermuteten Gewindesteigung ausgeklappt. Anschließend legt man die Zähne der Lehre an das Gewinde der Schraube.
Passt das Profil exakt in sämtliche Gewindegänge, ohne dass Lichtspalte entstehen oder die Lehre wackelt, wurde die richtige Steigung gefunden.
Stimmen die Konturen nicht vollständig überein, wird einfach das nächste Messblatt ausprobiert.
Innerhalb weniger Sekunden lässt sich die passende Gewindesteigung bestimmen.
Häufige Fehler
Eine Gewindelehre wird häufig mit einer Schraubenlehre verwechselt.
Beide Werkzeuge erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Die Gewindelehre bestimmt ausschließlich die Gewindesteigung.
Der Gewindedurchmesser muss zusätzlich gemessen werden, beispielsweise mit einer Schraubenlehre oder einem Messschieber.
Erst beide Werte zusammen ergeben die vollständige Gewindegröße.
Warum lohnt sich eine Gewindelehre?
Wer regelmäßig an Oldtimern arbeitet, spart mit einer Gewindelehre nicht nur Zeit, sondern vermeidet auch kostspielige Fehler.
Sie hilft dabei,
- Beschädigungen an Innengewinden zu verhindern,
- passende Ersatzschrauben schneller zu finden,
- Gewinde eindeutig zu bestimmen,
- unnötiges Probieren zu vermeiden,
- Ordnung in Schraubensammlungen zu bringen.
Gerade bei seltenen Fahrzeugen, bei denen originale Schrauben erhalten werden sollen, ist das ein großer Vorteil.
Unser Praxistipp
Bewahren Sie unbekannte Schrauben nicht lose in einer Kiste auf. Bestimmen Sie direkt nach dem Ausbau die Gewindesteigung und beschriften Sie kleine Beutel oder Sortimentskästen entsprechend. Spätestens beim Zusammenbau sparen Sie dadurch viel Zeit und vermeiden Verwechslungen.
Eine Gewindelehre kostet nur wenig Platz in der Werkzeugschublade, gehört aber zu den Messwerkzeugen, die bei jeder Restaurierung und nahezu jeder Reparatur regelmäßig zum Einsatz kommen. Wer einmal damit gearbeitet hat, möchte sie in der Werkstatt kaum noch missen.